Die Gegensätze Europas
Seit einigen Jahren hört man viel von der „Spaltung der Gesellschaft.“ Und tatsächlich ist eine immer entschiedenere Fraktionsbildung seit Jahren zu beobachten.
- Links gegen Rechts
- Arm gegen Reich
- Kollektivismus gegen Individualismus
- Sozialismus gegen Kapitalismus
- Und bei den Völkern ohnehin jeder gegen jeden.
Ob nun social media wie oft behauptet (gerne von den Leitmedien) die Ursache dafür ist,
das internet ganz generell,
die Langeweile der Menschen,
der stagnierende oder gar rückläufige Wohlstand,
die Beobachtung selbst ist kaum bestreitbar.
Menschen werden eingeordnet in diese Kategorien, Aussagen selbst kaum mehr verstanden.
Wer „rechts“ ist, muss stumm gemacht und verboten werden.
Wer „links“ ist, richtet unser Land wirtschaftlich zugrunde.
Wer „reich“ ist, ist moralisch verwerflich.
Empörte Boykottaufrufe machen die Runde, weil eine Firma einer (demokratischen) Partei zu nahe stehe,
oder weil sie „woke“ sei.
Zuhören, oder gar über Aussagen nachzudenken und zu reflektieren, dafür ist keine Zeit mehr. Bei Gefallen wird geleikt, bei Nichtgefallen wird geblockt.
Emotionen steuern diese Reaktionen.
Dabei baut der Erfolg Europas der letzten Jahrhunderte auf Vernunft, die in der Lage ist, oder zumindest war, eine Symbiose aus all diesen polaren Standpunkten zu synthetisieren.
Europa war seit der Neuzeit die führende Region auf dem Globus.
Technischer,
damit wirtschaftlicher,
damit gesellschaftlicher Fortschritt zum besseren.
Die heute vielbelächelte Kleinstaaterei Deutschlands in der Neuzeit war seine große Stärke. Viele verschiedene Formen von Gesellschaften, viele Regierungsstile der Fürsten, viele Möglichkeiten; auch wenn Freiheit für den einzelnen Menschen noch nicht ausgebildet war, so ergab die Durchlässigkeit zwischen den Staaten einen Markt zwischen den Systemen, die schnellen Fortschritt ermöglichte.
Der anarchische, starke Individualismus und der folgende Feudalismus wurde zum kollektiven Rechtsstaat, der einzelne Mensch wurde ermächtigt, Freiheit und Auswahl brachte Erfolg.
Frankreich entwickelte sich anders. Ein großes Land, absolutistisch regiert, blieb es auch nach der Revolution ein Zentralstaat. Hier brachte vereinheitlichte Infrastruktur: Maße, Währung, Recht, das Land weiter.
War es die Zentralisierung der Systeme, die Europa stark machte?
Es war im Gegenteil die Vielfalt der Systeme.
Konkurrenz, Kampf zwischen diesen.
Leider nicht so selten auch mit Kriegen.
Aber erst mit der Etablierung riesiger politischer Strukturen,
beispielsweise durch Katholizismus gegen Protestantismus,
wurden diese Kriege verheerend.
Fortschritt braucht den Diskurs, im großen wie im Kleinen.
Kreativität braucht wirkliche Diversität.
Wohlstand braucht freie Wahlmöglichkeit und einen Markt zur Auswahl.
Markt braucht Transparenz und Diskurs.
Diskurs braucht freie Meinung.