Die Schwierigkeiten des modernen Lebens

Zwei scheinbar antagonistische Aussagen:

  • Die Effizienz ist in den letzten Jahren exorbitant gestiegen. Moderne Technik und vor allem das Internet haben den Menschen das bequemste und einfachste Leben aller Zeiten ermöglicht. Wenig Arbeit — viel Freizeit.
  • Alles wird teurer, alles wird anstrengender. Jeder fühlt sich gestresst.

Wie kann das zusammengehen?
Technische Helferlein überall, inzwischen auch mit „künstlicher Intelligenz“? Sollten wir uns nicht inzwischen zwölf Stunden täglich entfalten können?

Einen Grund, dass wir das nicht können, zeigt in Leserbrief im Magazin für Computertechnik c't, Ausgabe 2/2026. Ein D. Menti schreiber hier folgendes:

Schneller durch Verspätung
Meine Fernverkehrsfahrten stückele ich mit dem ohnehin vorhandenen Deutschlandticket. Aber nur im Nachlauf. Also vom Ausstieg aus dem Fernzug zum Zielbahnhof. Denn die Fahrgastrechte, insbesondere die Aufhebung der Zugbindung, gelten leider nur mit durchgehendem Fahrausweis. Und meinen Fernverkehrszug möchte ich sicher erreichen. Wenn der ohnehin stündlich verkehrende „Nachlauf“ verpasst wird, ist das nicht so schlimm. Denn mein Deutschlandticket gilt auch im Zug eine Stunde später.
Zudem nutze ich nicht nur den Sparpreis–Finder, sondern suche alternativ auch „ohne ICE“. Manchmal wird es dann noch einmal billiger. Und wenn der langsamere IC Verspätung hat oder nicht erreicht wird, darf ich auch mit dem schnelleren ICE fahren. Und so bin ich manches Mal aufgrund einer Verspätung sogar früher am Ziel.

Wieviele Regeln könnte man aus diesem kurzen Text extrahieren?
Sicherlich eine ganze Menge.

Ebenso sicherlich war eine Zugfahrt in die Ferne auch früher ein Abenteuer. Ich kann nur ahnen, wie man 1908 oder 1926 von Wien nach München oder von Köln nach Dresden mit dem Zug reiste. Es war vermutlich auch ein kleines Abenteuer; aber eines, das man im Moment erlebte, man musste sich sicher nicht mittels eines komplexen Regelbuches monatelang („Sparschiene!“) vorbereiten. Man ging zum Bahnhof, kaufte ein Ticket, vermutlich schlug der Bahnbedienstete dafür einfach in einer Kilometertabelle nach. Kein Deutschlandticket (oder Klimaticket), keine zig verschiedenen Varianten der Buchung, abhängig von Zugtyp, Datum, Sonderangeboten. Einfach ein Ticket von A nach B — und es ging los.
Abgesehen davon kommt dann jetzt durch die Unzuverlässigkeit der (Deutschen) Bahn noch zum Abenteuer der Buchung dasjenige am Tag der Großen Fahrt dazu. Auch das durfte ich bereits selbst erleben.

Selbst wenn der Verstand gut trainiert ist, die mentale Kapazität des menschlichen Gehirns ist begrenzt. Die gewaltige Menge an Konsumentscheidungen, beruflich wie private, bedingt eine ebenso gewaltige komplexe Entscheidungsprozedur. Und alles soll auch noch optimal sein.

Stress pur.