Wenn Medien in den Krieg ziehen: Vom Sturmgeschütz über das Schlachtschiff zum Flugzeugträger
Die Darstellung
Das Internetmagazin Selektiv bringt einen Artikel als Beitrag über den österreichschen Öffentlich-Rechtlichen Rundfunk, den ORF. Zusätzlich zum (nicht unberechtigten) Lamento über die neuen Medienkonzerne aus den USA und deren alles niederwalzende Marktmacht ist eine Aussage aus mehreren Aspekten interessant:

Militärjargon
Obwohl Medien, allen voran die „Qualitätsmedien“, sich gerne den Frieden auf ihre Fahnen heften, so befleißigen sie sich dennoch (oder deswegen?) oft einer sehr martialischen Sprache. Eine der bekanntesten Beispiele ist die Selbstbezeichnugn des Spiegel als „Sturmgeschütz der Demokratie.“
Aber auch als „Schlachtschiff“ findet man sich sexy:
Nachdem eine Eskalation der Kriegsrhetorik während der vergangenen Jahre herbeigeschrieben wurde, ist der Vergleich der Medienmacht mit dem fettesten aller Kriegsgeräte (bisher) nur billig.
Too Big To Fail
Der Wunsch der lokalen Medien, im Flottenverband1 des dicken Trägers mitsegeln zu dürfen, ist durchaus verständlich. Der Träger ist nicht nur mächtig, er ist auch ein Ausstellungsstück der gesamten Streitkräfte, und somit mit dem Nimbus koste es was es wolle versehen. Der Flugzeuträger ist somit eine staatliche Bank, in deren Heckwelle für die Kleinen mit Sicherheit ein paar Brösel abfallen.
Der Flugzeugträger im Wandel der Zeit
Der Vergleich des ORF mit einem Flugzeugträger hat etwas (im Artikel unbeabsichtigt) ironisches.
Diese schwimmenden Festungen mögen populär immer noch als die Spitze der Wehrhaftigkeitspyramide gelten,
im realen Kriegsgeschehen gleichen sie aber eher Dinosauriern, die auf den Meteoriteneinschlag warten.
Moderne Drohnen- und Raktentechnik setzt ihnen stark zu, wie man gerade im Irankrieg beobachten kann.
Die Träger müssen zurückgezogen werden, da sie die Schwärme an angreifenden selbsgesteuerten Geschossen nicht mehr verlässlich abwehren können.
Und auch den derzeitigen (bösen) Medienriesen wie Google geht es nicht viel besser. Die KI-LLMs bedrohen das bisherige Geschäftsmodell durch noch mehr intransparentes Zusammenpicken von Informationsbrocken unbekannter Herkunft zu einem Nachrichtenamalgam. Die Medienriesen versuchen natürlich sich anzupassen, im neuen Markt selbst wieder Riese zu sein; ob es gelingen wird bleibt offen.
Aber unsinkbar — das war er vielleicht einmal.
Zurück nach Österreich
Den ORF-Träger betrifft das nicht so stark, er hat keinen Markt, wo er sich wirklich behaupten muss. Die Medienkonsumenten werden trotzdem abbröckeln, aber das wird man auf der Brücke nur mit einem Achselzucken zur Kenntnis nehmen.
So soll der teure österreichische Medienträger weiter in der alten Donau rumschippern. Respekt wird er dabei nicht gewinnen, höchstens Angst bei vielen Bürgern vor der nächsten Abbuchung der Haushaltsabgabe.
Flottenverband ist hier allerdings fast schon ein Euphemismus. Die mitschwimmenden Schiffe sind ja noch einigermaßen selbständig operabel. Der Autor des zitierten Artikels bezog sich auf die Flugzeuge des Trägers, die sind, ohne ihren Träger ja eher hilflos, so weit von daheim … ↩︎